pseudo
„gedanklich im Eck, finde ich den Weg in den Schlaf nicht.“

An einem regnerischen Tag Ende Juli

Ich könnte Stunden mit Nasenbohren verbringen.
Kontemplativ in mich hinein bohren. Manisch.
Tiefer und tiefer, mich aushöhlen.

Ich schürfe, schabe und grabe danach mit meinen lang gewachsenen Fingernägeln.
Da muss doch was zu holen sein!!?
Tief in mir gibt es so was wie ein Vorkommen.

Jede Menge.

Ich brauche dich! Es drängt.
Ich will dich.
Ich vermisse dich!

Will dich finden.
Dir begegnen.
Mit meinen Fingernägeln.

Ich will und kann nicht mehr.
Zu sehr schmerzt es mich, darf mich nicht verletzen.
Mir meine Nasenwände zerfetzen.
Ich bin verbohrt.
Kann nicht aufhören damit.
Find nicht mehr raus.
Finde den Ausgang nicht.
Es gibt kein Zurück mehr.
Hör doch endlich auf damit!

Beweg deinen Arsch!

Nimm den Finger aus der Nase und tu endlich was.

Wo war noch mal der Anfang, wann hab ich zu bohren begonnen, wo war nochmal der Eingang gewesen?
Ich finde den Eingang nicht mehr, während ich den Ausgang suche, mich in der Menge gequält sule.


Ich beginne zu zeichnen.

kreuz

Ich bin nicht hergekommen um zu zeichnen!
Ich hatte eigentlich vor zu schreiben!

Was zu schreiben?

Das zu schreiben, was du sonst übers Zeichnen oder Malen ausdrücken würdest?

Nein-Ja! Das stimmt so auch nicht ganz.
Eigentlich weiß ich nicht genau, wie und was ich schreiben soll!
Auf jeden Fall brauche ich einen theoretischen oder schriftlichen Teil für mein Diplom.
Etwas, was meiner praktischen Arbeit einen Rahmen gibt. Was sie einbettet.
Wie der aussehen soll, weiß ich nicht genau.

Ich möchte meinen eigenen Weg finden, wie ich mein Tun dem Publikum näher bringe.

Dem Publikum?
Das hört sich an als wärest du in einem Theater!

Ja für mich ist es irgendwie so. Im besten Fall kann ich das Leben so sehn.
Aber meistens steck ich mitten drin, bin Schauspieler, ohne es zu wissen.

Meist schwebt eine schwarze Wolke über mir, und unter mir ist es auch schwarz, oder grau. Kann die Sonne nicht sehn. Weiß nicht wo oben und unten ist.

Bin mir meiner unsicher.
Bin mir der sogenannten Realität oder Wirklichkeit unsicher, mir nicht im Klaren, ob es solche überhaupt gibt, oder was es ist.
Natur. Wir Natur, die Natur, die wir Menschen aus ihr geschaffen haben, kommt mir so unwirklich, absurd und so idiotisch vor.

Sie verwirrt mich!
Die verärgern mich.

Und ich weiß nicht mehr, was Surrealismus bedeutet. Oder wo Realismus anfängt und aufhört.
Oder was Abstraktion ist.

Es ist ja immer noch viel mehr hinter dem, was wir Realität nennen.

Also wäre dann unsere Realität eine Abstraktion der Realität die dahinter liegt?

Also alles ist Abstraktion und Realismus zugleich.

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3„Ich bin Künstler. Jeder Strich, den ich mache, ist voller Bedeutung und bedeutungslos zugleich.“

Das Universum besteht aus Energie und Materie, aus Formen und Raum zwischen ihnen.
Malerei besteht aus Trägermaterial und Farbe die aufgetragen wird. Raum zwischen den Bildern.
Eine Zeichnung besteht aus Strichen, die in Summe Formen ergeben.
Ein Gemälde aus Pinselstrichen.
Jeder Form liegt eine Idee zugrunde.
Gibt es etwas Formloses?
Ist ein abstraktes Gemälde formlos?
Hat nicht jeder Farbklecks, jeder Punkt und Strich eine Form?
Ist ein Planet in der Entstehungsphase formlos?
Wann beginnen wir von Formen zu sprechen?
Ab wann erkennen wir Formen auf einem Gemälde?
Was ist Energie? Ist sie formlos?
Oder ist sie deswegen formlos weil sie außerhalb unserer Wahrnehmung liegt?

Ich bin verwirrt.
Meine Gedanken sind zerstreut.
Ich bringe sie in keine Form.
Ich bin nicht in Form.
In welcher Form?
In der ich mich oder auch die mich gerne hätten?

Ich?

Ich habe eine Idee!
Ich will malen.
Was soll ich malen und warum überhaupt? Wozu?
Ich könnte auch nichts tun.
Ständig will ich was.
Will ich was sein, soll ich mich geben als.
Soll funktionieren, funktionieren für mich, für die anderen.
Funktionieren um.....

Lass mich doch einfach sein!
Sein?
Sein. Funktioniert.

„ Ich male, also bin ich. Ich beschäftige mich nicht mit der Philosophie, auch nicht mit der Kunst oder sonstigen Phantastereien. Es ist eher so, dass sie sich mit mir beschäftigen.“

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(Passagen aus meiner Diplomarbeit „PSEUDO VOM VERFINDEN UND EITRIGEM GRAU“ 2014)